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Strahlungsschutz

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Sven Rockrohr
Themenstarter

Wetterpool-Team


Ort: Großbeeren
Höhe: 49 m ü.NN

welcher Strahlungsschutz hat den besten Schutz gegen Global- und Reflexionsstrahlung.
Meiner Meinung nach ist es der Strahlungsschutz der aus durchgefärbten weißen Lamellen besteht.
Es gibt aber auch andere in der Meteorologie verwendete Methoden, die mich interessieren würden.
Bilder in einer entsprechenden Auflösung wären gut.
21.02.2010, 18:12 Uhr
Silvio


Ort: Chemnitz-Klaffenbach
Höhe: 360 m ü.NN

Hallo Sven,

ich habe den direkten Vergleich von selbstgebauter Wetterhütte mit V-Lamellen und gutdurchlüfteten Dach- und Unterteil (nach der Anleitung vom DWD) und einem selbstgebauten Strahlungsschutz aus mehrer weißen Plastik-Übertöpfen.

Die Erfahrung zeigt, dass die Wetterhütte annähernd exakt die richtige Temperatur anzeigt, lediglich wenn es ganz windarm ist und die Sonne richtig knallt wird max. 0,5°C mehr angezeigt als eine Dauerbelüftete Vantage bzw. umliegende geschütze Thermometer auf gleicher Höhe und die Temperatur fällt etwas langsamer ab, da das Holz die Wärme noch etwas speichert.
Im Jahresvergleich sind allerdings keine relevanten Differenzen erkennbar. Auch durch Reflexion verursachte Temperaturerhöhung fällt weg, da die Wetterhütte auch von unten geschützt ist (versetzte Platten, die auch die Luft zirkulieren lassen).
Es ist hier außerdem noch möglich, einen solarbetrieben Lüfter einzubauen, der den möglichen leichten Wärmestau bei Windstille verhindert.

Der Plastik-Übertopf-Strahlungsschutz dagegen ist nicht sehr effektiv. Bei Extremsituationen ohne Wind und hoher Strahlung sind durchaus 4°C zuviel drin. Selbst bei ordentlicher Durchlüftung durch Wind und hoher Strahlung, sind meist 1-1,5°C über dem realen Wert beobachtet worden. Sicherlich leigt es auch daran, dass die reflekierte Strahlung von unten direkt den Sensor erreicht, da hier keine richtige Abschnattung von unten aufgrund der Konstruktion möglich ist.
Allerdings ist dies eine sehr günstige Alternative zur selbstgebauten Wetterhütte und vor allem nicht so sehr zeitaufwendig.




Grüße
Silvio
22.02.2010, 12:35 Uhr
Guido Richter

Wetterpool-Team


Ort: Zschaagwitz
Höhe: 270 m ü.NN

Ich habe eine gänzlich andere Erfahrung gemacht und vertrete diese Meinung auch immer wieder. Klassische Wetterhütten entwickeln bei windarmen Wetterlagen einen viel zu hohen Hitzestau, da auf den sogenannten Kamineffekt kein Verlass ist. Zudem bedeutet ein Kamineffekt, dass irgendwo erstmal Hitze sein muss, damit Bewegung entsteht.

Am besten erscheint mir eine extrem großflächig, aktiv belüftete Hütte oder ein aktiv belüfteter Strahlenschutz aus Lamellenringen.

Alles was nicht aktiv belüftet ist gilt bei mir als ungenau und reaktionsträge, das habe ich mehrmals mit Industriesensoren als Messreihe nachgemessen. Zudem eignet sich eine starke Aktivbelüftung ideal, um geringste Schwankungen gut aufzulösen, z.B. der rasante Temperatureinbruch zum Sonnenaufgang bei wolkenlosem Himmel im Winter.

Was die Einstrahlung vom Boden angeht, dazu hatte ich schonmal eine Skizze angefertigt von einem optimalen Strahlenschutz mit Aktivbelüftung. Ich muss die nochmal raussuchen, wenn ich zuhause bin. Dieser Strahlenschutz war jedenfalls so konzipiert, dass aus keinem Winkel Strahlen eintreten können (direkt zumindest) und auch der Boden abgedeckt ist. Zudem ist der Lüfter oben angebracht, wodurch eine Sogwirkung entsteht und die Originalluft angesaugt wird. Also keine Erwärmungseffekte vom Lüfter.
22.02.2010, 13:04 Uhr
wetter-mh


Ort: Mülheim an der Ruhr - Altstadt
Höhe: 68 m ü.NN

Zitat original von: Guido Richter

Alles was nicht aktiv belüftet ist gilt bei mir als ungenau und reaktionsträge, das habe ich mehrmals mit Industriesensoren als Messreihe nachgemessen. Zudem eignet sich eine starke Aktivbelüftung ideal, um geringste Schwankungen gut aufzulösen, z.B. der rasante Temperatureinbruch zum Sonnenaufgang bei wolkenlosem Himmel im Winter.


Was Guido schreibt, kann ich bestätigen. Zusätzlich möchte ich bemerken , dass aktive Belüftung in Verbindung mit Lamellenringen meiner Erfahrung nach nicht so effektiv ist wie die nun von mir gewählte Variante:



Habe den Sensor in der Mitte eines Kunststoffrohres befestigt. Der am unteren Ende des Rohres sitzende Ventilator drückt die Luft nach oben raus. Das Rohr ist umbaut mit mehreren Platten aus Styrodur. Selbst bei abgeschaltetem Ventilator entstehen Temp.-Schwankungen (durch Sonneneinstrahlung und zwischenzeitlichen Abschattungen durch Wolkenfelder) von max. 0,5°C.

Gruß Werner
05.03.2010, 11:51 Uhr
tom_chemnitz


Ort: Penig
Höhe: 255 m ü.NN

Hallo ans Forum,

ich möchte mich auf den Beitrag von Silvio beziehen gemäß des Strahlenschutzes mit Blumentopfuntersetzern.

Ich habe diese Variante mit doppelten Untersetzernaußen (innen braun, außen weiß) verwendet, wobei jeweils eine runde Aussparung für den Sensor ausgebohrt wurde. Mit der dunklen Innenseite wird die Reflexion innerhalb der "Wetterhütte" minimiert. Optimal wäre ein Anstrich mit mattem schwarz auf der Innenseite, sowie glänzendem weiß auf der Außenseite. Außerdem ist mein Strahlungsschutz von unten nicht offen sondern ebenfalls mit zwei Blumentopfuntersetzer abgeschlossen (innen braun, außen weiß). Die natürliche Belüftung wird durch die versetzte Anordnung der doppelten Blumentopfuntersetzer gewährleistet.

Im Hochsommer habe ich mit meiner "Wetterhütte" bei windschwachen Strahlungslagen maximale Abweichungen von 1-2 Grad zu den Schattenwerten. Im Winterhalbjahr stelle ich kaum Abweichungen zu Schattenwerten mit geeichtem Greisinger GTH 175/Pt 1000 fest.

Eine aktive (solare, elektrische) Belüftung, (z.B. Absaugen der Luft mittels Rohrlösung für den Sensor und zusätzlich Lamellen um das Rohr herum) würden diese Werte bei Strahlungswetter wie von anderen beschrieben weiter verbessern, aber auch den Preis (Vgl. Silvio) in die Höhe treiben.

Mit freundlichen Grüßen

Tom
07.03.2010, 11:12 Uhr
Guido Richter

Wetterpool-Team


Ort: Zschaagwitz
Höhe: 270 m ü.NN

Im Hochsommer habe ich mit meiner "Wetterhütte" bei windschwachen Strahlungslagen maximale Abweichungen von 1-2 Grad zu den Schattenwerten. Im Winterhalbjahr stelle ich kaum Abweichungen zu Schattenwerten mit geeichtem Greisinger GTH 175/Pt 1000 fest.

Ist das nicht etwas viel? Heutzutage bewegen wir uns bei unter 0,5 bis 1 Grad, was als höchste Toleranz akzeptabel ist. Klar, viele hier erreichen diese Werte noch immer nicht, aber sie zu akzeptieren, ist auch nicht der richtige Weg, oder?

Anbei einmal das Konzept, was ich kürzlich erwähnte. Diese Skizze habe ich schon einmal vor ein paar Jahren präsentiert. Das Prinzip gefällt mir immernoch und ich werde es vermutlich an meiner nächsten Wetterstation umsetzen.

Prinzip: Alle Lamellen sind so angeordnet (Skizze noch nicht perfekt), dass keine regulären Hauptrichtungen der Strahlungswinkel eintreten können. Der Boden ist auch geschützt. Der Lüfter wird hier im oberen Bereich angebracht, wodurch er wartungsfreundlich ist und keine Bedenken bezüglich der Erwärmung entstehen. Das und die unten angebrachte Verengung sorgen dafür, dass der Messsensor mit absolut originaler Luft versorgt wird. Diese strömt schnell genug, um feinste Änderungen zu messen und langsam genug, um keine Verdunstungseffekte zu erzeugen.


07.03.2010, 18:39 Uhr
Guido Richter

Wetterpool-Team


Ort: Zschaagwitz
Höhe: 270 m ü.NN

So, hier noch die Messung mit Industriesensoren in einer belüfteten Standardwetterhütte. Was mir allerdings ein Rätsel ist, warum der Schattensensor nachts wärmer ist.


07.03.2010, 18:44 Uhr
Sven Rockrohr
Themenstarter

Wetterpool-Team


Ort: Großbeeren
Höhe: 49 m ü.NN

Hallo

Obwohl ich eigentlich zufrieden bin, gefällt mir Deine Skizze gut. Ich werde wohl in diesem Sommer noch eine Verbesserung nach Deinem Vorschlag vornehmen, Guido. Besonder die Belüftung mittels des lüfters im oberen Bereich.
Ich habe derzeit einen ähnlichen Strahlungsschutz im Einsatz. Detailliert habe ich die Anleitung auf meiner Homepage. Den unteren Abschluß kann man leider nicht sehen. Um Wärmestrahlung von unten zu verhindern, habe ich ebenfalls ein Untersetzter mit Abstand montiert.

http://www.grossbeeren-wetter.de/Strahlungsschutz.htm



07.03.2010, 19:21 Uhr
tom_chemnitz


Ort: Penig
Höhe: 255 m ü.NN

@ Guido

Ich präferiere auch die Lösung mit Lüftung.

@ alle

Man muss sicherlich bei der ganzen Sache auch die Materialauswahl der Lamellen beachten. Nicht umsonst sieht man an den Autobahnwetterstationen jetzt immer seltener die Plastiklösung (PP) als vielmehr die recht dicken silberoxidierten Metall-Lamellen inklusive Ablüftung.

Übrigens wird in einschlägigen Büchern zur Meteorologie auch immer wieder von der doppelrohrigen Chrom-Lösung gesprochen welche die Sonnenstrahlung größtenteils blockieren soll.

Allerdings wird dann die Funkleistung der Kompakt-Sensoren zu den Hauptstationen deutlich verschlechtert. Daher plädiere ich für Temperatur-Sensoren mit zugehörigem Kabelfühler, wie es bei der Davis natürlich der Fall ist.

MFG Tom
08.03.2010, 14:10 Uhr
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